Blaulicht und Sondersignal

Ihr habt euch schon sicherlich gefragt warum fährt die Feuerwehr zu Einsätzen Tag und Nacht mit Blaulicht und Sondersignal? Das hat gute Gründe.

Wenn über Notruf 112 ein Hilferuf abgesetzt wurde und schnellste Hilfe benötigt wird, ist höchste Eile geboten. Zum Beispiel wenn Sachwerte oder Leben in Gefahr sind bzw. könnten, wie bei einem Gebäudebrand oder Verkehrsunfall mit Menschenleben in Gefahr. Dann ist höchste Eile geboten!
Hier muß die Feuerwehr innerhalb von 8 Minuten vor Ort wirksame Hilfe eingeleitet haben. Aus dem Grund darf die Feuerwehr im Einsatzfall schneller durch den Straßenverkehr fahren.

Rechtliche Betrachtung

Damit die Feuerwehr im Einsatzfall auch schneller zum Einsatzort kommt, hat hier der Gesetzgeber das in der Straßenverkehrsordnung berücksichtigt.

  • StVO § 35 Absatz 1: “Von den Vorschriften dieser Verordnung sind die Bundeswehr, die Bundespolizei, die Feuerwehr, der Katastrophenschutz, die Polizei und der Zolldienst befreit, soweit das zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist.”

Eine “hoheitliche Aufgabe die dringend geboten ist” ist wie oben genannt (o.g.) beispielsweise ein Gebäudebrand oder Verkehrsunfall.

Natürlich achten wir auf die nötige Vorsicht und auf die Verhältnismäßigkeit im Straßenverkehr.

Hier kommt rechtlich das Blaulicht und das Sondersignal (oder auch Martinshorn genannt) ins “Spiel”:

  • StVO § 38 Absatz 1: Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten.
    Es ordnet an:
    „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen“.
  • StVO § 38 Absatz 2: Blaues Blinklicht allein darf nur von den damit ausgerüsteten Fahrzeugen und nur zur Warnung an Unfall- oder sonstigen Einsatzstellen, bei Einsatzfahrten oder bei der Begleitung von Fahrzeugen oder von geschlossenen Verbänden verwendet werden.

Bei StVO § 38 Abs. 1 spricht man auch vom “Wegerecht” und bei StVO § 35 Abs. 1 von “Sonderrechte”.

Also Blaulicht und Sondersignal müssen bei Einsätzen mit höchster Eile sein. Unabhängig von der Tageszeit.

Bitte beachten Sie: Feuerwehreinsatzkräfte haben, ab dem Zeitpunkt der Alarmierung, nach StVO § 35 Abs. 1 “Sonderrechte”. Auch im Privat-PKW! Da die Feuerwehreinsatzkräfte erst zum Feuerwehrgerätehaus fahren müssen, geschieht die Anfahrt zum Feuerwehrgerätehaus i.d.R. mit dem Privat-PKW und gegebenenfalls mit Eile. Privat-PKW’s sind nicht mit Blaulicht und Sondersignal ausgerüstet und können ihre “Eile” nicht nach außen kenntlich machen. Auch hier achten wir auf die nötige Vorsicht und auf die Verhältnismäßigkeit im Straßenverkehr.
Oftmals wird ein Hinweisschild oder ein unbeleuchteter Dachaufsetzer “FEUERWEHR IM EINSATZ” verwendet.

FAQ

Jetzt die gute Frage ob tags bzw. nachts Blaulicht alleine ausreicht für die Einsatzfahrt?

Bei Einsätzen mit höchster Eile, Nein!

Die Feuerwehr hat ein “Sonder- und Wegerecht” nur mit Blaulicht und Sondersignal. Nur mit Blaulicht allein hat die Feuerwehr ein Sonderrecht, aber hat ohne Sondersignal (Horn) kein Wegerecht.

Passiert auf dem Weg zum Einsatz mit “höchster Eile” uns selbst ein Unfall ist das für die Unfallbeteiligten nicht gut und für die Person/-en, die die Feuerwehr gerufen hat/haben, noch schlechter. Auch sollte man beachten daß das verunfallte Feuerwehrfahrzeug nicht mehr dem Einsatzdienst zur Verfügung steht.

Sollte die erste Feuerwehr-Führungskraft an der Einsatzstelle feststellen, daß keine höchste Eile mehr benötigt wird, so wird dies immer an die anrückende Einsatzkräfte per Funk durchgegeben. Entweder wird die Einsatzfahrt abgebrochen oder “ohne Eile” weitergefahren.

Was soll man tun, wenn man schlafen muß und man wird vom “Tatütata” geweckt?

“Umdrehen und Weiterschlafen”. Wir sind für euch alle unterwegs und wenn Menschen in Lebensgefahr sind, hat das Vorrang. Bitte bedenkt, daß wir selber vor ein paar Minuten nachts noch am schlafen waren und jetzt unterwegs zur Einsatzstelle sind, um schlimmeres zu verhindern.

Warum fährt die Feuerwehr zu einer ausgelösten Brandmeldeanlage (BMA) immer mit Blaulicht und Sondersignal?

Wir gehen grundsätzlich von einem ordnungsgemäßen Betrieb der Brandmeldeanlage (BMA) aus und es ist, beim Alarmierungzeitpunkt, von einem Gebäudebrand auszugehen. Sollte die Auslösung fehlerhaft sein oder aufgrund eines menschlichen Fehlverhaltens die Ursache sein, stellen wir das erst vor Ort fest. Brandmeldeanlagen (BMA) werden regelmäßig gewartet, um Fehlauslösungen zu vermeiden. Sollte eine BMA aufgrund einer technischen Störung auslösen, wissen wir das beim Zeitpunkt der Alarmierung nicht.

Was soll ich im Straßenverkehr tun, wenn die Feuerwehr mit Blaulicht und Sondersignal sich nähert?

Ruhe bewahren und freie Bahn schaffen. Bitte nicht hektisch reagieren und keine “Kurzschlußreaktion” verursachen. Bei Stau bitte eine Rettungsgasse bilden.
Ein Hinweis an der Stelle: Bitte nicht auf der Landstraße unmittelbar vor uns eine Vollbremsung verursachen, um anschließend rechts ranzufahren und anzuhalten.

Funfact

Woher kommt der Begriff “Martinshorn”?

Auszug aus der Webseite der Firma “Max B. Martin GmbH & Co.KG” aus Philippsburg:

1932 entwickelte die Deutsche Signal-Instrumenten-Fabrik zusammen mit Feuerwehr- und Polizeidienststellen ein Horn, das als Sondersignal für bevorrechtigte Wegebenutzer gesetzlich vorgeschrieben wurde (“Warnvorrichtung mit einer Folge verschieden hoher Töne”). Seit dieser Zeit besteht die geschützte Wortmarke “MARTIN-HORN®”. Bis zum 2. Weltkrieg wurden diese Signalhörner für Einsatzfahrzeuge ausschließlich von der Deutschen Signal-Instrumenten-Fabrik hergestellt.

Quelle: https://www.maxbmartin.de/unternehmen/geschichte